Die heurigen Brixner Philosophietage mit ihrem Thema “Tourismus im Spannungsfeld zwischen Genuss und Belastung der Natur” haben einen Nerv getroffen. Selten waren die Anmeldezahlen wochenlang vorher schon so hoch, kaum zuvor war der Hörsaal fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen und federführend von ihrem Institut De Pace Fidei ausgerichtete Veranstaltung bot über anderthalb Tage verteilt acht Vorträge und eine abschließende Podiumsdiskussion, moderiert von Eberhard Daum. Die Vortragenden waren teilweise weit angereist, u.a. aus Berlin, Worms oder Tübingen, und präsentierten hochinteressante Einblicke in ihre Forschungs- und Berufspraxis. In Kaffeepausen oder bei gemeinsamen Mahlzeiten nutzten viele die Gelegenheit des niedrigschwelligen Austauschs mit den Referierenden und brachten umgekehrt ihre Expertise vor Ort mit ins Gespräch. Zu den vielfältigen Anregungen zählte z.B. die Mahnung vor einer mechanisierenden, quantifizierenden und monetarisierenden Art und Weise, über den Menschen und die Umwelt zu sprechen - so vorgetragen von Matthias Fuchs, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Freien Universität Bozen und Direktor des Kompetenzzentrums für nachhaltigen Tourismus in Bruneck. Dass Urlaubsreisen neben Erholung auch Entlastung versprechen und ihr ästhetisches Moment frei nach Stendhal in der Verheißung eines Glücks fernab von Nützlichkeitserwägungen besteht, hob Julia E. Beelitz, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und nachhaltiges Tourismusmanagement, Hochschule Worms, hervor. Damit das Gut der Gastfreundschaft weiterhin geschätzt und gepflegt wird und vereinbarte Klimaschutzziele erreicht werden können, bedarf es struktureller Anpassungen, Sensibilisierungskampagnen und den politischen Willen vieler, Profitinteressen nicht gegen das Gemeinwohl auszuspielen, besonders in so hochfrequentierten Urlaubsregionen wie in Südtirol.

